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Thema des Monats Dezember:

Nachhaltige Weihnachtszeit

Nachhaltige Weihnachtszeit 

 

Alle Jahre wieder …

Kaum hat die Vorweihnachts- und Adventszeit begonnen, sind überall weihnachtliche Dekoartikel, potentielle Weihnachtsgeschenke für die Liebsten, Verpackungsmaterialien, süße Leckereien u. ä. zu finden. Doch was davon ist wirklich nachhaltig, kann beispielsweise wiederverwendet werden? Welche Alternativen gibt es?

 

Alternativer Adventskalender

Um anderen oder sich selbst die Adventstage zu versüßen, braucht es nicht unbedingt Schokolade oder andere Süßigkeiten. Benötigt werden nur ein altes Marmeladen- oder Honigglas und einige Blatt Papier. Aus dem Papier könnt Ihr 24 kleine Zettelchen schneiden und nach Belieben beschriften, zum Beispiel mit Wünschen, Sprüchen, Rezepten oder Dingen, die Ihr an der zu beschenkenden Person besonders schätzt. Statt der Zettelchen könnt Ihr auch Fotos verwenden oder beides kombinieren. Nicht nur der Familie und Freunden könnt Ihr damit eine Freude bereiten, Ihr könnt Euch auch selbst beschenken – zum Beispiel mit 24 Dingen, für die Ihr dankbar seid.

Weitere Alternativen sind:
• Briefumschlag-Adventskalender mit Gutscheinen oder kleinen Botschaften
• Gewürzkalender mit Gewürzen in kleinen Gläschen oder Stoffsäckchen und Rezepten
• Teekalender mit fairen Bio-Teebeuteln
• Kalender aus Recycling-Klopapierrollen, befüllt mit kleinen Geschenken

 

Natürliche Weihnachtsdekoration

Die Natur bietet uns einen kostenlosen Vorrat an Materialien, die sich wunderbar als Weihnachtsdekoration in den eigenen vier Wänden eignen: Zapfen von Fichte, Kiefer, Lärche und Tanne, Hagebutten, Moos, kleine Äste, Eichensamen, Kastanien, Berberitzen und vieles mehr. Den Verwendungsmöglichkeiten sind kaum Grenzen gesetzt: ob als Adventskranz, Baumschmuck oder Tischdekoration. Haltet beim nächsten Waldspaziergang einfach die Augen offen!

Daneben eignen sich zum Dekorieren unter anderem auch selbst gebastelte Sterne aus Stroh oder Pappe und Stoffbänder. Wer zudem nachhaltig hergestellte Kerzen für den Advents- und Baumschmuck einsetzt anstelle von LED-Lichterketten und Co., spart eine Menge Energie. Nachhaltig hergestellte Kerzen bestehen nicht aus billigem Palmöl, sondern meistens aus hochwertigem Bienenwachs oder als vegane Varianten beispielsweise aus gentechnikfreiem Raps- oder Sojawachs – nach Wunsch mit ätherischen Ölen aus kontrolliert biologischem Anbau versetzt. Wachsreste können unter anderem dafür genutzt werden, um daraus selbst Kerzen herzustellen. Im Internet findet Ihr zahlreiche Anleitungen dafür, zum Beispiel hier.

 

Achtsamkeit

Nachhaltig bedeutet auch, auf den eigenen Körper zu achten, um gesund und fit zu bleiben. Gerade während der aktuellen Corona-Pandemie ist dies besonders wichtig.

Hier ein paar Vorschläge, wie Ihr Euch dem häufig recht hektischen Adventstrubel entziehen könnt:
• Regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft
• Sich bewusste Pausen im Alltag gönnen und tief durchatmen
• Bei einem Bad/einer Massage entspannen
• Vorweihnachtliche Stimmung mit Düften wie Zimt, Weihrauch, Orange, Honig, Tanne (als Raumduft, Duftkerzen o. ä.) erzeugen
• Mit einem guten Buch, einer Tasse Tee oder Musik entspannen
Journaling
• Yoga, Pilates, Meditation oder andere Entspannungstechniken.

 

Nachhaltige Weihnachtsbäckerei

Für viele ist das (gemeinsame) Plätzchenbacken fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit. Beim Einkauf der Zutaten für nachhaltiges Weihnachtsgebäck solltet Ihr bevorzugt auf biologisch hergestellte und/oder fair gehandelte Backwaren zurückgreifen. Wo es möglich ist, sind regionale Produkte die erste Wahl, beispielsweise bei Butter, Mehl und Nüssen.

 

Weihnachtsgeschenke – weniger ist oft mehr

Für herkömmliche Weihnachtsgeschenke gibt es einige nachhaltigere Alternativen:
• eine Geld- oder Sachspende für ein soziales oder ökologisches Projekt (Beispiele für unterstützenswerte Projekte)
• die Pflanzung eines Baums, z. B. mit Treedom, Naturefund oder Plant-my-tree
• eine Patenschaft für ein Kind, z. B. SOS-Kinderdörfer oder PLAN
• …

Oder wie wäre es, den Liebsten unsere gerade heutzutage so wertvolle Zeit zu schenken? Diese gemeinsame Zeit kann man für ein Essen, eine Wanderung, einen Ausflug und vieles mehr verwenden. Wenn es doch kein Gutschein oder keine Spende sein soll: Warum sollte nicht auch die Verpackung Teil des Geschenks sein? Statt in Geschenkpapier könnt Ihr Eure Geschenke in ein schönes Tuch, einen Schal, ein Geschirrtuch, Wachspapier (z. B. für Weihnachtsgebäck, Stollen etc.), eine warme Wollmütze oder Wollsocken verpacken. So könnt Ihr die für gewöhnlich in der Weihnachtszeit anfallenden Verpackungsmüllberge vermeiden bzw. verringern.

© Bob_Dmyt/pixabay.com

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DIY-Anleitung für einen alternativen Adventskalender

Um anderen oder sich selbst die Adventstage zu versüßen, braucht es nicht unbedingt Schokolade oder andere Süßigkeiten. Benötigt werden nur ein altes Marmeladen- oder Honigglas und einige Blatt Papier. Aus dem Papier könnt Ihr 24 kleine Zettelchen schneiden und nach Belieben beschriften, zum Beispiel mit Wünschen, Sprüchen, Rezepten oder Dingen, die Ihr an der zu beschenkenden Person besonders schätzt.

Statt der Zettelchen könnt Ihr auch Fotos verwenden oder beides kombinieren. Nicht nur der Familie und Freunden könnt Ihr damit eine Freude bereiten, Ihr könnt Euch auch selbst beschenken – zum Beispiel mit 24 Dingen, für die Ihr dankbar seid.

 

Weitere Alternativen sind:

  • Briefumschlag-Adventskalender mit Gutscheinen oder kleinen Botschaften
  • Gewürzkalender mit Gewürzen in kleinen Gläschen oder Stoffsäckchen und Rezepten
  • Teekalender mit fairen Bio-Teebeuteln
  • Kalender aus Recycling-Klopapierrollen, befüllt mit kleinen Geschenken

 

Foto: ©congerdesign/pixabay.com

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Initiativen rund um Abfallvermeidung

 

Wir in Deutschland sind Europameister im Müll-Produzieren: pro Kopf fielen 2019 543 Kilogramm „haushaltsübliche Siedlungsabfälle“ an – Tendenz steigend! (Umweltbundesamt)

Nicht nur im privaten Bereich gibt es viele Möglichkeiten, die riesigen Müllberge zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Gerade im öffentlichen Bereich tragen unzählige Initiativen und Kampagnen von Kommunen, Kitas und Schulen, Vereinen, Unternehmen, Entsorgungsbetrieben oder Privatpersonen, wie auch die Aktionen im Rahmen von Sauberhaftes Hessen, zur Abfallvermeidung und somit zum aktiven Umweltschutz vor Ort bei.

 

Europäische Woche der Abfallvermeidung

Vom 20. bis 28. November findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung in ganz Deutschland, 33 Ländern Europas und angrenzenden Staaten statt. Die Abfallvermeidungswoche ist die größte Kommunikationskampagne rund um das Thema Abfallvermeidung. Der Schwerpunkt liegt dieses Jahr auf nachhaltigen Gemeinschaften („sustainable communities“). Damit werden soziale Gruppen wie Familie, Freundeskreis, Kollegen, Nachbarschaft, Gemeinden und Vereine angesprochen, die sich vor Ort für Abfallvermeidung und nachhaltigen Konsum engagieren. Jede*r kann sich einbringen – ob mit nachhaltigen Projekten, (Online-)Veranstaltungen, Diskussionsrunden oder abfallvermeidenden Ideen jeglicher Art. Wer teilnehmen möchte, kann sich auf der Website der Aktionswoche noch bis 5. November anmelden. Die gemeldeten Aktionen in Deutschland können auf einer Aktionskarte eingesehen werden.

 

Sauberhafte Aktionen und Initiativen in Hessen

Wo sich in Hessen Menschen für den Klima- und Umweltschutz engagieren, zeigt die interaktive Karte von Sauberhaftes Hessen. Hier kann jede*r geplante Aktionen und Veranstaltungen eintragen oder suchen, um sich zu beteiligen. Neben der Karte findet Ihr zudem eine Checkliste, falls Ihr eine Müllsammelaktion in Eurer Stadt oder Kommune plant.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Best Practice-Beispiele rund um Abfallvermeidung in Hessen, darunter auch Bildungsprojekte. Diese Vorzeige-Projekte sollen zum Nachahmen anregen. Sie zeigen zugleich, dass sich bereits viel bewegt in Richtung Abfallvermeidung und Ressourcenschutz.

Kennt Ihr nachahmenswerte Beispiele aus Eurer Region? Oder engagiert Ihr Euch selbst mit einer Initiative? Dann schreibt uns gerne an sauberhafteshessen@organic-communication.de. Viele Beispiele sind bereits auf der Website von Sauberhaftes Hessen zu finden.

Im Folgenden möchten wir Euch ein Best Practice-Beispiel genauer vorstellen:

 

„Rettomat“ rettet Lebensmittel vor der Tonne

Der Snack-Automat namens „Rettomat“ befindet sich seit diesem Sommer am Hauptbahnhof in Frankfurt am Main. Er beinhaltet Snacks von Bio-Riegel über vegane Schokolade bis hin zu Getränken, die überschüssig sind oder kurz vor oder nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen, aber noch genießbar sind. Die angebotenen Lebensmittel werden somit vor der Tonne gerettet und erhalten eine zweite Chance.

Der Rettomat ist ein Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Bahn mit dem Berliner Start-up Sirplus und dem Automatenbetreiber Selecta Deutschland GmbH. Neben dem Ressourcenschutz bietet der Verkaufsautomat weitere Pluspunkte: Die Produkte sind deutlich günstiger als im Handel und können rund um die Uhr erworben werden. Wer neugierig geworden ist, findet den Rettomat gegenüber der Markthalle zwischen den Gleisen 3 und 4.

 

Überregionale Kampagnen zur Abfallvermeidung

Neben lokalen Initiativen kann man sich an Kampagnen von Bund und Ländern rund um Abfallvermeidung und Ressourcenschutz beteiligen. Im Folgenden findet Ihr eine kleine Auswahl:
https://www.bmu.de/weniger-ist-mehr
https://www.bmu.de/themen/wasser-ressourcen-abfall/kreislaufwirtschaft/wertschaetzen-statt-wegwerfen
https://www.zugutfuerdietonne.de/
https://muellnichtrum.rlp.de

Jede*r kann sich folglich auf vielfältige Weise für Abfallvermeidung und Ressourcenschutz vor Ort oder auch überregional engagieren. Also los geht’s! – Werdet aktiv und begeistert dadurch andere!

Jede Aktion zählt!

 

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Textilrecycling

Was passiert mit gesammelten Altkleidern?

 

Die Nutzungsdauer neuer Kleidung wird in unserer schnelllebigen Zeit immer kürzer. Vor allem Oberteile, Hosen und Schuhe überleben kaum ein ganzes Jahr im Kleiderschrank. Jacken, Mäntel und Kleider werden meistens erst nach mehr als drei Jahren aussortiert.

Laut einer Studie nahm das Sammelaufkommen von Altkleidern in Deutschland in den letzten Jahren zu: 2018 fielen über 15 Kilogramm pro Person an. Etwa 88 Prozent der Alttextilien wurden verwertet: 62 Prozent wurden als Secondhandkleidung wiederverwendet, rund 14 Prozent wurden zu Putzlappen und Dämmstoffen verarbeitet und weitere 12 Prozent wurden recycelt. Der Rest (rund 12 Prozent) wurde verbrannt.

Die Sammlung von Alttextilien erfolgt überwiegend durch Altkleidercontainer, daneben auch durch karitative Kleiderkammern, Haussammlungen oder die direkte Abgabe beim Textilrecycler. Sie ist für Bürgerinnen und Bürger kostenlos.

Die Alttextilien werden manuell nach Sorten, Artikeln und Qualitäten in bis zu 350 Fraktionen sortiert. Vor allem die Nachfrage aus den Empfängerländern, die von Jahreszeit, Klimazone oder kulturellen Besonderheiten abhängt, beeinflusst die Sortierung. Insbesondere in Osteuropa und den Entwicklungsländern Afrikas und Asiens gibt es einen hohen Bedarf an gebrauchter Kleidung.

Aus Kleidungsstücken, die nicht mehr tragfähig sind, werden zum Beispiel Putzlappen hergestellt oder recycelte Textilfasern für die Automobilherstellung, den Maschinenbau oder die Druckindustrie gewonnen.

 

Wie entsteht Recycling-Mode?

Durch den Recyclingprozess werden die Textilfasern kürzer und verlieren somit an Qualität. Um aus alten Stoffen „neue“ Kleidungsstücke herzustellen, müssen Recyclingfasern daher mit Frischfasern gemischt werden. Gängige Beispiele für Kleidungsstücke mit einem Anteil an recycelten Polyesterfasern sind Funktionskleidung, Jeans oder Jacken. Kleidung aus Mischgewebe, z. B. einer Mischung aus Polyester und Baumwolle, lässt sich nur schwer recyceln. Sie gibt es jedoch immer häufiger, da z. B. Polyester günstiger ist als Baumwolle. Die Trennung der Fasern ist sehr aufwendig und wirtschaftlich unrentabel. Ein Faser-zu-Faser-Recycling findet also kaum statt. Alttextilien aus Mischgewebe werden meist zu Dämmstoffen verarbeitet.

„Neues“ Garn für die Textilherstellung lässt sich aus recyceltem Polyester herstellen.  Dieser wird überwiegend aus gebrauchten Plastikflaschen gewonnen. Die Flaschen werden gehäckselt, synthetisch zerlegt und geschmolzen. Daraus wird dann ein Faden gezogen. Für die Herstellung eines T-Shirts werden ca. fünf Flaschen benötigt. Der Prozess kommt im Gegensatz zur Produktion von frischem Polyester ohne den endlichen Rohstoff Erdöl aus.

Für die Fertigung von Recycling-Mode aus Baumwolle können nur Stoffe verwendet werden, die zu 100 Prozent aus Baumwolle bestehen und weder Reißverschlüsse noch Aufdrucke aufweisen.

Stoffreste und Verschnitte aus der Textilfertigung lassen sich leichter recyceln als Altkleider, da sie sortenrein erfassbar sind. Das lohnt sich aber nicht immer, da beispielsweise konventionelle Baumwolle nur wenig teurer ist als Recycling-Baumwolle.

 

Upcycling statt Recycling?!

Eine Möglichkeit, Kleidung weiterzuverwenden, ist es, sie umzugestalten, sodass sie dem eigenen Geschmack wieder entspricht bzw. wieder tragbar ist. Aus zu kurz gewordenen, langen Jeans werden durch Abschneiden Shorts. Auch aus Stoffresten lassen sich mit viel Handarbeit Kleider schneidern. Als Geschäftsmodell für den Massenmarkt eignet sich Upcycling von Altkleidern dennoch nicht, da in der Regel keine Kollektionen, sondern nur Unikate entstehen.

 

Fazit: Weniger ist mehr!

Damit erst gar nicht so viele Altkleider anfallen, die dann aufwendig re- oder upgecycelt werden müssten, sollten wir weniger Kleidungsstücke kaufen, die dafür aber von höherer Qualität sind, und uns häufiger für Second Hand entscheiden. Im besten Fall wird Kleidung so lange getragen, wie es nur geht.

Für Kleidungsstücke, die nicht mehr getragen werden, aber in einem guten Zustand sind, gibt es mittlerweile jede Menge Möglichkeiten, diese weiterzuverwenden: Flohmärkte, Second-Hand-Shops, Sozialkaufhäuser, Kleidertauschpartys, Kleiderei oder Online-Plattformen wie ebay, vinted, Kleiderkorb etc.

Weitere Anregungen findet ihr außerdem in unserem Beitrag zum Thema „Textilmüll vermeiden“:

Textilmüll vermeiden – den Kleiderschrank umweltfreundlicher machen

 

Quellen:

bvse-Textilstudie (2020): „Bedarf, Konsum und Wiederverwendung von Bekleidung und Textilien in Deutschland“

www.bvse.de

www.test.de

www.greenpeace.de

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Eine kleine Historie des Abfalls

Was passiert eigentlich mit unserem Abfall? Diese Frage haben wir im Thema des Monats Mai beantwortet. Doch wie wurde früher mit allem umgegangen, das nicht mehr zu genutzt wurde? Schließlich hat es schon seit Menschengedenken Dinge gegeben, die nicht mehr gebraucht wurden und irgendwie entsorgt werden mussten. Oder eben auch recycelt werden konnten.

 

Wie wurde früher Müll und Unrat entsorgt?

Die moderne Abfallwirtschaft, wie wir sie heute kennen, begann sich in Europa seit dem 16. Jahrhundert zu entwickeln. Das Bevölkerungswachstum in den Städten, damit verbundene hygienische Probleme und die Verbreitung von Epidemien führten zu einer Auseinandersetzung mit der Art und Weise, wie der Abfall, damals Unrat genannt, beseitigt werden könnte und mündete in frühen Formen der Organisation von Müllabfuhren. Bis dahin wurde der Unrat einfach aus dem Fenster geworfen – Gemüsereste und abgenagte Knochen zersetzten sich zwar auf natürliche Weise oder wurden von Tieren gefressen, jedoch entsorgte man auf diese Weise auch Fäkalien. Später dann, im 18. Jahrhundert, setzte sich die Ansicht durch, dass insbesondere schlechte Luft, also weniger sichtbare als unsichtbare Verunreinigungen für Krankheiten ursächlich seien, sodass allmählich Lösungen für dieses Problem entwickelt wurden. So gab es zwar schon in der Antike Kanalisationen und Abwassersysteme, doch dieses Wissen ging im Mittelalter weitgehend verloren und musste zunächst “neu erfunden” werden. Doch bis es so weit war, und die Problematik des Abfalls mit Abwassersystemen und organisiertem Abtransport des Unrats gelöst werden konnte vergingen mehrere hundert Jahre. Die Klagen über Schmutz im öffentlichen Raum mehrten sich bis dahin. Einen nicht unerheblichen Einfluss hatte hierbei auch das Aufkommen des Bürgertums und die damit einhergehende Etablierung von Idealen wie Sauberkeit und Ordnung, die damit verbundenen Veränderungen der Schamgrenzen, sowie Privatisierungs- bzw. Verhäuslichungsprozesse. Dennoch gab es die erste Müllabfuhr, wie wir sie heute kennen, in ihrer organisierten Funktion als Dienstleister, erst ab Ende des 19. Jahrhunderts: In einigen Städten sammelten sogenannte Gassenmeister den Unrat ein, andernorts holte man gegen Bezahlung den Müll mit Pferdewägen bei den Bürgern ab und brachte ihn aus der Stadt.

 

Wie lief Recycling vor Beginn des 20. Jahrhunderts ab?

Wie bereits erwähnt, wurde nur Unrat entsorgt, der nicht mehr zu gebrauchen war, wie eben Gemüsereste oder Tierknochen – alles andere war zu wertvoll, um es zu entsorgen. Aus alten Stoffresten wurde neue Kleider genäht, aus Metallresten wurden beispielsweise Nägel hergestellt, defekte Dinge wurden repariert oder umgearbeitet und dieses Denken hielt sich bis weit ins 20. Jahrhundert. Heute können im globalen Norden fast nur noch die Menschen, die einen Krieg erlebt haben, von Mangelerfahrungen berichten, die man hier in Zeiten der ständigen Verfügbarkeit und geringen Kosten für neue Waren nicht mehr kennt. Geprägt durch den wirtschaftlichen Aufstieg, wuchs nach dem zweiten Weltkrieg die Menge des Abfalls in industrialisierten Ländern und es kamen neue Abfallsorten hinzu. Produkte der chemischen Industrie, Kunststoffe und Elektroschrott machten es notwendig, ein System der Mülltrennung zu etablieren. Was kann wiederverwendet und aufbereitet werden, was soll beseitigt werden? Umweltfragen gewannen erst nach und nach an Bedeutung, je deutlicher die endliche Verfügbarkeit vieler natürlicher Ressourcen wurde.

 

Es wird kaum überraschen, dass im Zuge dieser Entwicklungen auch die Menge des Abfalls wuchs. So betrug die durchschnittliche Menge von Unrat, die man zu Beginn des 20. Jahrhunderts pro Kopf verursachte noch 170kg im Jahr, davon: 110kg Asche und Kehricht und 25kg Küchenabfälle. Heutzutage kommt man in Deutschland auf ein durchschnittliches Jahresabfallvolumen von rund 450kg pro Kopf – das ist fast drei Mal so viel.

 

Die Problematik des immer weiter steigenden Abfallvolumens ist zu einem der zentralen Probleme des modernen Menschen geworden. Die Umwelt leidet unter den enormen Mengen von Plastikmüll, der in die Ozeane geschüttet wird. Nicht fachgerecht entsorgter Sondermüll vergiftet Böden und Gewässer und die immer noch vielenorts durchgeführte Praxis der Müllverbrennung ohne Filteranlagen lässt Schadstoffe in die Luft gelangen.

 

Besser, man geht mit gutem Beispiel voran und legt Wert auf die richtige Mülltrennung, versucht Geräte möglichst lange zu nutzen und im Zweifel zu reparieren oder benutzt Mehrwegsysteme bei Verbrauchsartikeln, um so wenig Abfall wie möglich zu produzieren. Vielleicht konnte dieser Artikel auch ein wenig dazu inspirieren, sich in eine andere Zeit hineinzuversetzen und damit zu hinterfragen, ob etwas wirklich in den Abfall gehört, oder doch noch in irgendeiner Weise wiederverwendet werden kann. Ideen hierfür finden sich in unserem Artikel über Upcycling und auf zahlreichen Seiten im Netz.

 

Quellen:

https://www.br.de

https://www.grueneliga-berlin.de/

https://link.springer.com/

https://www.roth-container-express.de/

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Nachhaltige Weihnachtszeit

Kunst aus Abfall

Welchen Wert hat Abfall für jemanden, der gerade etwas entsorgt? Meist keinen. Für das Unternehmen, das sich um die Entsorgung kümmert: Einen logistischen, organisatorischen, zeitlichen. Für das Unternehmen, das für die Rückgewinnung der darin enthaltenen Rohstoffe verantwortlich ist: einen finanziellen. Doch kann Abfall auch einen ideellen Wert haben? Kann man in Abfall mehr erkennen als nur etwas Nutzloses, Überflüssiges, Störendes? Kann Abfall mehr als nur Müll sein? Die Antwort ist: Ja. Abfall kann auch Kunst sein. In dieser Form kann gewöhnlicher Abfall Gefühle erwecken, zum Nachdenken anregen, Debatten anstoßen, einen ästhetischen Genuss darstellen.

 

Wir möchten hiermit herzlich dazu einladen, in den nachfolgenden Überblick über einige Kunstprojekte einzutauchen, die allesamt die Idee vereint, etwas Neues aus etwas zu schaffen, das in unserer Gesellschaft keinen Wert mehr hat: Müll

 

 

1. Christopher Fennell

Der Künstler Christopher Fennell baut aus ausgedienten Gegenständen Skulpturen, die an architektonische Skelette erinnern. Bögen, Wellen, Tore, Bänke – die Vielfalt in seinem Werk ist groß und reicht von repräsentativen Plastiken zu Neuinterpretationen herkömmlicher Orte wie Bushaltestellen. Die hierbei verwendeten Materialien sind ebenfalls vielfältig: Zusammengeschweißte Schaufeln und Fahrräder, Altholz, Baseballschläger, Feuerleitern. Die Werke sind an zahlreichen Orten in den USA zu bewundern und sollten bei einem Urlaub auf der Liste der Sehenswürdigkeiten nicht fehlen.

 

2. HA Schult

HA Schult will mit seinen “Trash People” dem modernen Menschen einen Spiegel vorhalten. Die aus Abfall hergestellten Skulpturen stellen menschliche Körper dar. Aufgestellt in Reih und Glied wirken sie beinahe martialisch und erinnern so auch daran, dass von unserem geordneten Wohlstand eine Bedrohung für den Planeten ausgeht. Nach Ansicht des Künstlers sei man auch immer selbst das, was man produziere und so würden Menschen letztlich selbst zu dem Müll werden, den sie produzieren. Eine durchaus provokante These, die aber angesichts der drastischen Umweltverschmutzungen vielleicht notwendig ist. Ausgestellt wurden HA Schults Trash People bereits in Frankreich, Russland, China, Luxemburg, Israel, Spanien sowie in verschiedenen deutschen Städten.

 

3. Artula Institute for Arts and Environmental Education

Das vom Artula Institute for Arts and Environmental Education im US-amerikanischen Bundesstaat Oregon initiierte Projekt “Washed Ashore” verfolgt einen zugleich pädagogischen wie künstlerischen Zweck: Durch das Sammeln von angeschwemmtem Meeresmüll und der Verarbeitung zu Skulpturen wird Bewusstsein für die Verschmutzung der Meere geschaffen und gleichzeitig etwas Positives durch die kunstvolle Gestaltung der Müll-Skulpturen vermittelt, die oft nautische Naturdarstellungen thematisieren. Die im Rahmen von Wanderausstellungen erlebbaren Werke waren bereits an zahlreichen Orten in den USA ausgestellt. Nach eigenen Angaben wurden hierfür bereits rund 500 Kilometer Strände gesäubert und etwa 30 Tonnen Plastikmüll verarbeitet.

 

4. Bordalo II

Die exzessive Produktion und Konsumption von Dingen, die zur kontinuierlichen Produktion von Abfall führt und damit zur Zerstörung des Planeten, das sind die zentralen Themen des portugiesischen Künstlers Bordalo II. In seiner Serie “Big Trash Animals” verarbeitet er Abfall zu einzigartigen Tierdarstellungen, die nach Aussage des Künstlers zu einem differenzierten Blick auf unsere Konsumgewohnheiten provozieren sollen. Bordalo II steht mit dieser Reihe auf der Schwelle zwischen Skulptur und Street Art: Die plastischen Elemente befinden sich auf Hauswänden, Mauern und Fassaden und sind oftmals bunt wie Graffiti. Bewundern kann man die Werke unter anderem in den USA, Portugal, Norwegen, Frankreich und Belgien.

 

5. Joe Rush

Pünktlich zum 46. G7-Gipfel, der im Juni stattfand, hatte der britische Künstler Joe Rush ein Kunstwerk geschaffen, das an den Mount Rushmore in den USA erinnert: Die Häupter der sieben Regierungschefs und –Chefinnen sind allerdings nicht in Felsen getrieben wie bei dem amerikanischen Vorbild, sondern wurden aus Elektroschrott modelliert. Damit wollte der Künstler Aufmerksamkeit für die Problematik des Elektroschrotts in Europa schaffen.

 

 

Wie dieser kurze Überblick zeigt, sind die Möglichkeiten vielfältig, Abfall wiederzuverwenden und dem scheinbar Nutzlosen wieder einen Sinn zu geben. Die vorgestellten Künstlerinnen und Künstler wollen mit dieser Strategie einen Beitrag zur Diskussion über die Wegwerfgesellschaft leisten – doch letztlich vereint diese Werke auch ein ästhetischer Wert: Man kann sogar so weit gehen zu behaupten, dass diese Skulpturen und Plastiken, auch ohne das Wissen, dass sie aus Abfall hergestellt wurden, einen Wert an sich darstellen. Und ebenjener Gedanke ist der entscheidende: Dass tendenziell alles einen Wert haben kann. Betrachtet man die Welt aus dieser Perspektive, lernt man auch, dass vermeintlich Selbstverständliche besser zu schätzen und sorgsamer mit dem Gegebenen umzugehen. Und vielleicht inspiriert diese Kunst ja auch, in den eigenen Gegenständen bestimmte Dinge zu erkennen, die man umfunktionieren, wiederverwenden, denen man einen Wert (zurück)geben kann, bevor sie zu Abfall werden. Wer hier nach Ideen sucht, kann sich über Upcycling informieren. Denn der beste Müll ist der, der gar nicht erst entsteht.

 

Foto: Katarzyna Tyl / pixabay.com

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Gebäude Bauen Nachhaltig
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Bau mit Recycling-Materialien

Das erste, was einem einfallen wird, wenn man das Wort Recycling hört, sind wahrscheinlich gelbe Säcke und das damit verbundene Aufbereiten von Kunststoff, Aluminium und weiteren wiederverwendbaren Haushaltsmaterialien, Handysammelstationen zur Rückgewinnung von Rohstoffen wie Gold, Silber oder Kupfer oder Wertstoffhöfe, auf die man allerlei Gut bringen kann, das nicht in den Hausmüll gehört. 

 

Ein nicht zu unterschätzender Anteil des jährlich aufkommenden Abfalls entsteht jedoch im Baugewerbe, insbesondere beim Abriss von alter Bausubstanz. Und so landen jährlich etliche Tonnen Bauschutt auf Mülldeponien. Zwar wurde dieser Bauschutt bislang auch recycelt, indem etwa Ziegelsteine, Beton oder Gips zermahlen und dann als Untergrundstabilisierung im Straßenbau oder zur unterirdischen Einbettung von Rohren und Leitungen verwendet wurde, jedoch entstand in den vergangenen Jahren auch ein neuer Trend im Baugewerbe: Aus alter Bausubstanz neue Gebäude errichten. 

 

Hierbei haben sich vor allem drei Ansätze entwickelt, die durchaus auch ein Potenzial haben, langfristig die Art und Weise, wie wir über den Bau, die Konstruktion und auch die Ästhetik von Gebäuden denken, zu verändern: 

 

1. Recycelter Bauschutt als neues Baumaterial 

Die niederländische Firma “Stonecycling” stellt Ziegelsteine, besser gesagt Klinker aus altem Bauschutt her und wirbt dafür mit Produktnamen wie “Raw.”, “Punched.”, “Sliced” oder “Shine”. Die zu mindestens 60 Prozent aus recycelten Materialien bestehenden Steine sind hierbei verwend- und belastbar wie herkömmliche Ziegelsteine und dementsprechend für dieselben baulichen Zwecke geeignet. Der große Vorteil besteht neben der Einsparung von wertvollen Rohstoffen und der damit einhergehenden Vermeidung von Umweltzerstörung auch in der Einsparung von CO2-Emissionen, da die Herstellung von herkömmlichen Steinen äußerst energieintensiv ist: Rund ein Drittel des in Europa emittierten CO2 geht auf die Herstellung von Baumaterial zurück. Stonecycling wirkt diesem Trend entgegen und setzt damit ein Signal, das bereits wahrgenommen wurde: In New York, Amsterdam und Rotterdam wurden bereits Häuser, aus diesen Recyclingsteinen gebaut. 

 

2. Recyclingkunststoffe im Bau

Kunststoffe sind äußerst vielseitige Materialien, die heute aus kaum einem Bereich des Lebens mehr wegzudenken wären. Dennoch mag die Idee, mit Kunststoffen zu bauen zunächst etwas irritierend wirken, wird man in diesem Bereich wohl in erster Linie an Backstein, Beton, Stahl und vielleicht noch Glas denken. Doch gerade Kunststoffe, die besonders gut recycelt werden können, haben auch hier Einzug gehalten – zum Beispiel in Form von Styroporbeton. Hierbei wird zerkleinertes Styropor dem Beton beigemischt, wodurch eine erhöhte Wärmedämmung durch den großen Luftanteil im Styropor erreicht wird. Außerdem gibt es bereits erste Ansätze, im Straßenbau Kunststoffe zu verwenden. Die ebenfalls niederländische Firma KWS Infra arbeitet hier an Straßenbelägen aus recyceltem Kunststoff. 

 

3. Recyceltes Holz als Bausubstanz 

Nicht nur Holzreste, also Abfälle der Holzherstellung, sondern bereits als Bausubstanz verwendete Hölzer können im Baugewerbe (wieder)verwendet werden. Das beweisen die folgenden Beispiele: 

 

Das Jellyfish Theatre in London wurde 2010 vom Künstler und Architekten Martin Kaltwasser sowie rund 100 freiwilligen Helfer*innen gebaut – unter ausschließlicher Verwendung von bereits benutztem Holz.  Das als temporäres Gebäude umgesetzte Projekt bot Platz für rund 130 Zuschauer*innen während des Oikos Theatre Festivals und der London Week of Architecture. Verwendet wurden unter anderem folgende Materialien: Einwegpaletten, Fund- und Abfallholz, Theaterkulissen, Dachpappe, Sperrmüll und Baustellenreste. 

 

Einen etwas anderen Ansatz verfolgte ein Projekt nach Plänen des Architekturbüros Cityförster in Hannover: Bei dem Einfamilienhaus wurde zwar weitgehend versucht, bereits verwendete Materialien zu verwenden, jedoch gelang das nicht zu 100 Prozent. Der entscheidende Ansatz ist aber, dass die Holzkonstruktion des Gebäudes nicht verleimt, sondern lediglich verschraubt ist. Der Gedanke ist hierbei, dass die Holzelemente so wiederverwendet werden können, sollte man sich irgendwann dazu entscheiden, das Haus wieder abzubauen. 

 

 

Wie diese drei Ansätze zeigen, gibt es bereits vielfältige Entwicklungen, den Gedanken der Wiederverwendung und damit der Schonung von Natur und Umwelt im Bereich der Bauwirtschaft zu verankern. Eine sehr positive Entwicklung, die ganz im Sinne der Abfallvermeidung ist und damit auch zur einer sauberhaften Vorstellung davon beiträgt, wie man in Zukunft mit Rohstoffen und Ressourcen umgehen kann.

Foto: © Tolu Olubode

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